Ich habe 9 Selbstständige gefragt: Wie kann man von der Food Fotografie leben?

Auf diesem Blog bist du es gewohnt von mir Tipps für die Food Fotografie & Selbstständigkeit zu erhalten. Heute lasse ich aber mal ein paar andere Menschen zu Wort kommen. 

Ich habe 9 Food Fotograf:innen gefragt, welche Tipps sie jenen auf den Weg geben würden, die wirklich von der Food Fotografie leben können wollen. 

Die Antworten sind so vielfältig, wie ihre Verfasser. Es ist schön, sich mit den Kolleg:innen aus der Nische zu vernetzen – und ich freue mich riesig, dass so eine große, wertvolle Sammlung an Tipps zusammengekommen ist. 

Vielen Dank an alle und jetzt viel Spaß beim Lesen 🙂 

Die Foto Credits gehen jeweils an die Autor:innen der jeweiligen Tipps ❤️

1. Warte nicht auf den perfekten Moment - verbessere dich während des Prozesses


Oft halten wir uns selbst davon ab, in die Foodfotografie einzusteigen, weil wir denken, dass wir noch nicht gut genug sind. Wir warten auf den Moment, in dem wir alle Bereiche perfekt beherrschen – die richtige Belichtung, Komposition, Farbgebung usw. Aber dieser Moment wird niemals kommen!
Es gibt immer Raum für Verbesserung und Weiterentwicklung in der Foodfotografie. Selbst die erfahrensten Fotografen lernen ständig dazu. Der Schlüssel ist, einfach anzufangen und während des Prozesses dazuzulernen.


Habe keine Angst davor, deine Arbeiten schon jetzt zu zeigen und mit Kunden zu arbeiten. Die größten Entwicklungssprünge machst du, wenn du tatsächlich am Werk bist und Food-Shootings durchführst. Jedes Projekt bringt neue Herausforderungen und Lernerfahrungen mit sich.
Sei nicht zu perfektionistisch und warte nicht auf den vermeintlich richtigen Zeitpunkt. Der Moment ist jetzt! Fange an, lass dich auf den kreativen Prozess ein und verbessere dich Schritt für Schritt. Dein Können und deine Erfahrung werden mit jedem Shooting wachsen.

Also ran an die Kamera und zeige der Welt deine Food-Fotos. Mit Hingabe und Lernbereitschaft wirst du kontinuierlich besser werden. Der Weg ist das Ziel!

Alisa Reese

2. Sei präsent auf Social Media und zeige deine Arbeit auf einer aussagekräftigen Website

Ich hatte damals das Glück (und damit bin ich sicher nicht alleine), dass die ersten Kunden über mein Instagramprofil auf meine Arbeit aufmerksam geworden sind und dadurch bis heute noch die meisten Fotoaufträge von alleine kommen. Natürlich hat das auch mit der hohen Reichweite zu tun und das ist nicht das Ziel von jedem, aber trotzdem würde ich jedem Anfänger ans Herz legen, auf Social Media aktiv zu sein und eine aussagekräftige Website mit Portfolio und allen Infos zu angebotenen Leistungen parat zu haben. Dabei am besten auch ein Auge auf SEO halten, damit du sowohl bei Google, als auch über Social Media gefunden wirst, wenn Unternehmen nach Food Fotografen suchen. 

Die meisten Kunden finden mich tatsächlich über Instagram, auch wenn sie mich vorher gar nicht kannten. 

 

Deine Profile regelmäßig mit Content zu füllen ist zwar erstmal viel unbezahlte Arbeit, aber dafür jede Menge Übung, die Dich immer besser werden lässt!

 

Ronja / Miss Grünkern

Jungs-Zitronenkuchen-5

3. Weiterbildung ist der Schlüssel!

Am Anfang dachte ich, ich müsste alles alleine herausfinden und habe unglaublich viel Zeit mit “Trial and Error” verschwendet. Rückblickend hätte ich mir so viel Zeit ersparen können, wenn ich einfach von Anfang an in meine Weiterbildung investiert hätte.

Es gibt so viele tolle Möglichkeiten, sich weiterzubilden – ob Onlinekurse, 1:1 Coachings oder YouTube-Tutorials. Niemand kann alles wissen, und das ist auch okay – Man muss eben nicht alles alleine schaffen. Diese Erkenntnis, wenn sie auch spät kam, hat mir geholfen, mich auf einmal viel schneller weiterzuentwickeln. 

Also mein Tipp: Investiere in deine Kenntnisse und Fähigkeiten. Es lohnt sich wirklichund spart dir am Ende jede Menge Zeit und Nerven!

4. Kunstlicht ist dein Freund!

In der Foodfotografie, besonders auf Social Media, hat Kunstlicht – also Blitz, LED-Lampen und Co. – oft noch einen schlechten Ruf. 

Viele sagen stolz: “Ich fotografiere nur mit Tageslicht!” Aber als meine Auftragsarbeiten zunahmen, wurde es immer schwieriger, sich auf das Wetter und die Jahreszeit zu verlassen. Das hat oft Stress verursacht und im schlimmsten Fall die Qualität meiner Arbeit und eben meiner Fotos beeinträchtigt. 

Heute nutze ich wahrscheinlich zu 80% Kunstlicht und bin dadurch unabhängig von äußeren Faktoren. Es dauert zwar etwas, Kunstlicht zu beherrschen, und auch hier empfehle ich Kurse, aber ich könnte nicht mehr ohne! 

Die Flexibilität und Kontrolle, die man dadurch gewinnt – unbezahlbar!

Sascha / die Jungs kochen und backen

5. Ruhe dich nicht auf deinen Erfolgen aus

Ob in der Selbständigkeit oder der (Food)-Fotografie – in beiden Bereichen dreht sich die Welt wirklich rasant weiter. Darum sei stolz auf alles, was du bisher erreicht hast, aber ruh dich niemals auf den bereits verdienten Lorbeeren aus! 

Bleib immer wachsam und entwickle dich weiter, um nicht von der Konkurrenz abgehängt zu werden. Ob durch den Austausch mit anderen aus deiner Bubble, Fachliteratur zum Thema oder Weiterbildungen aller Art. Inzwischen gibt es so viele Möglichkeiten (die ich mir damals als Anfängerin auch gewünscht hätte), also schöpfe aus dem Vollen und investiere in dich selbst!   

Isabella / Lebkuchennest

Bella - Lebkuchennest
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6. Baue (d)eine Marke auf

Setze dich gezielt hin, um dich selbst als Marke aufzubauen. Beginne damit, deine Corporate Identity zu formulieren. Vermeide es, immer wieder wilde Schriftarten zu wählen oder einen Fantasienamen zu suchen – du bist die Marke.

Klar. Strukturiert. Authentisch.
Stelle dir folgende Fragen:
– Wie möchtest du wahrgenommen werden?
– Was sollen andere faszinierend an dir finden?
– Was sind deine einzigartigen Verkaufsargumente (USPs)?

7. Sei perfektionistisch

Oft hört man, dass man nicht zu perfektionistisch sein soll. Ich sehe das anders.

Sei perfektionistisch, denn das ist dein Baby. Du wirst manchmal schlechte Laune haben, weil dein Foto nicht so gelungen ist, wie du es wolltest. Probiere es noch einmal und bleibe perfektionistisch, denn das wird dich immer antreiben, weiter zu lernen und dich immer wieder neu zu orientieren.

Der Weg zur professionellen Fotografie ist nicht leicht, aber mit der richtigen Einstellung, Investitionen und der Bereitschaft, ständig zu lernen und sich zu verbessern, kannst du es schaffen. Dein Perfektionismus wird dein Antrieb sein, immer weiter zu lernen und dich neu zu orientieren.

Sei mutig, sei kreativ und bleibe immer dran. Viel Erfolg auf deinem Weg zur professionellen Fotografie!

Patrick Rosenthal

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8. Biete deinen Kunden das optimale Gesamtpaket

Zuerst die schlechte Nachricht: Gute Food-Fotografen gibt es massenweise. Google und Instagram sind voll mit gekonnt gestylten, perfekt ausgeleuchteten, appetitanregenden Bildern. Und es gibt immer jemanden, der besser stylt, ausleuchtet und den Appetit der Zielgruppe anregt als du. 

Nun die gute Nachricht: Das ist gar nicht so wichtig. Wenn du von der Food Fotografie leben möchtest, geht es nicht nur um deine Food Fotografie. Du solltest natürlich eine solide Qualität bieten, aber du hast noch ein ganz anderes Werkzeug, um Kunden zu finden und zu binden: Sei unkompliziert. Sei zuverlässig. Sei schnell. 

Oft wirst du mit Agenturen oder Kunden zu tun haben, die unter Zeitdruck stehen und einen Haufen andere Projekte nebenher auf der Agenda haben. Mach es ihnen einfach. Antworte so zügig wie möglich auf Mails, spätestens innerhalb von 24 Stunden. Wenn das nicht geht, gib zumindest ein kurzes Zwischen-Feedback. 

Deadlines und Timings sollte man nach Möglichkeit immer einhalten. Da hilft es, nicht auf die letzte Minute zu kalkulieren, sondern Puffer einzuplanen. Vielleicht kannst du deine Kunden dann sogar mit einer früheren Abgabe erfreuen.

Auch die Form deiner Mails, Angebote und Rechnungen ist wichtig für deinen Gesamteindruck. Rechtschreibfehler und Unachtsamkeiten beim “formalen Drumherum” kommen gar nicht gut an, da so unbewusst der Eindruck entsteht, dass du deine Hauptarbeit ebenso schlampig erledigst. 

Wenn es einmal zu Unstimmigkeiten kommen sollte, lass die Emotionen stecken. Bleibe sachlich und höflich. Am anderen Ende sitzen auch nur Menschen mit ihren Struggles. Und was willst du langfristig pushen, dein Ego oder vielleicht doch lieber deinen Kontostand?

 

Kurz und gut – sei professionell. Hübsche Bilder gibt es wie Sand am Meer, aber als rundum angenehmer Dienstleister kannst du dich von der Masse abheben.

 

Vera / Nicest Things

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9. Optimiere deinen Workflow

Zeit ist Geld – das klingt zwar abgedroschen, aber wenn Du mit der Foodfotografie profitabel unterwegs sein möchtest, ist ein effizienter Arbeitsablauf essentiell. Dabei kannst Du auch mit Kleinigkeiten anfangen.

Der Kauf eines zweiten Kamera-Akkus war eine meiner besten Entscheidungen. Wenn die Batterie während eines Shootings den Geist aufgegeben hat, musste ich nicht mehr warten und wertvolle Zeit verschwendet, um den Akku aufzuladen. Die zuvor verlorene Zeit konnte ich dank des zweiten Akkus nutzen, um ein paar extra Fotos für meine Kunden zu shooten oder vielleicht noch eine Aufnahme für mein Portfolio zu machen.

Um meinen Workflow abseits der Kamera zu optimieren, bin ich ein Fan von Vorlagen. Egal, ob für Angebote, Rechnungen, Verträge, Moodboard oder E-Mails. Nimm dir ein paar Tage Zeit, um für Dinge, die du immer wieder brauchst, Vorlagen zu erstellen und du sparst dir in Zukunft viel Arbeit.

10. Scheue dich nicht vor Investitionen

500 Euro für einen Onlinekurs, 350 Euro für eine Bildbearbeitungssoftware, 200 Euro für einen Studioblitz – das klingt zunächst utopisch und teuer. Doch die richtigen Investitionen in deine Fähigkeiten und dein Business bringen dich weiter.

Wenn Du z. B. lernst mit Kunstlicht zu fotografieren, kannst Du eine größere Vielfalt an Stilen anbieten, flexibel arbeiten und bist nicht mehr an die Lichtverhältnisse draußen gebunden. Deine Kunden werden begeistert sein, wenn Du selbst im tiefsten trüben Winter Fotos mit Sonnenschein und Sommerfeeling liefern kannst. Diese Fähigkeit wird Dir neue Kunden bringen und im Nu hast Du die Investition wieder reingeholt.

Frances / Carryoncooking

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11. Umgib dich mit Menschen, die dich inspirieren

Bist du die kreativste Person im Raum? Dann bist du im falschen Raum. Auch wenn unsere Arbeit zum Großteil eine Dienstleistung ist, ist die Kreativität doch unser wichtigstes Gut. Wir müssen uns auf dem Laufenden halten, uns inspirieren lassen, offen sein neue Wege zu gehen und Dinge auszuprobieren. In einem Umfeld, für das diese Dinge zur Normalität gehören, können wir in nahezu allem wachsen, was wir tun. Außerdem können wir dieses Netzwerk nutzen, um unglaubliche Projekte umzusetzen.

12. Arbeite nicht mit Menschen, die deine Arbeit nicht würdigen

Ich komme aus der Hotellerie / Gastronomie und wenn ich eines gelernt habe, dann ist es folgendes: Du wirst niemals alle Menschen glücklich machen können; schlimmer noch, je mehr du das versuchst, umso unglücklicher wirst du selbst und deine Kundschaft mit deiner Arbeit sein.

Ich hatte schon oft Situationen, in denen sich sofort abzeichnete, dass sich keine gemeinsame Basis für eine geschäftliche Zusammenarbeit entwickeln würde. Oft, hatte das zwischenmenschliche Gründe, manchmal waren es allerdings auch kreative Differenzen. Aber wir tun was wir tun und haben einen Stil, eine Nische, eine Handschrift, der wir immer treu bleiben sollten. Glaubt mir: Es gibt genug Menschen, die eure Arbeit zu würdigen wissen, die genau das suchen, was ihr anbietet. Aber eines muss doch klar sein; wer einen Woody Allen Film möchte, wird mit einem David Lynch niemals glücklich werden.

Helge Unterweg

13. Brenne wirklich für das, was du tust!

Eine Selbstständigkeit, von der du leben kannst, ist nicht von heute auf morgen aufgebaut. Es braucht Zeit, deine Skills zu professionalisieren, zu netzwerken und Kunden von dir und deinen Fähigkeiten zu überzeugen – das ist oft schwer. Wenn du da nicht wirklich hinter deiner Fotografie und dem, was du tust, stehst, wirst du schnell aufgeben. Frag’ dich, was du mit deiner Fotografie erreichen willst, hab eine Mission, die dich immer wieder antreibt!

Und mit deinem Feuer wirst du auch Kunden leichter für dich und deine Fotografie begeistern können 😉

14. Glaube an dich selbst!

Für mich das wohl wichtigste Learning in meiner Selbstständigkeit: Glaube an dich und deine wertvolle Arbeit! Gerade wir Kreative neigen dazu, uns mit anderen zu vergleichen, unsere Erfolge zu vergessen und zu glauben, dass wir (noch) nicht gut genug sind. 

Das alles liegt an einem mangelnden Selbstwert und weil wir zu oft im Außen nach einer Antwort suchen. Beschäftige dich mit dir selbst und geh da richtig in die Tiefe! Und ganz wichtig: Feiere dich für jeden Fortschritt, den du gemacht hast! Du leistest Großartiges und bist wertvoll!

Nadja Kuschel

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und zu guter Letzt habe ich natürlich auch noch etwas, das ich dir auf den Weg geben möchte:

15. Verkauf dich nicht unter Wert

Das lässt dich nicht nur unprofessionell wirken, sondern wird auch die “falschen” Kunden auf den Plan rufen. Jene, die deine Arbeit nicht schätzen, die dich nur buchen, weil du billig bist und die dann im Gegenzug aber sehr hohe Erwartungen an dich stellen und mehr als nur den kleinen Finger nehmen. Auf lange Sicht kannst du kein Fotobusiness führen oder halten, wenn du deine Dienstleistungen zu günstig anbietest oder dich nicht traust Lizenzen zu berechnen.

16. Sei kein einsamer Wolf

Vernetze dich! Es gibt zwei Arten von Selbstständigen. Die einen sehen ihre Mit-Fotograf:innen als Konkurrenten, die anderen als Kollegen. 
Du hast die Wahl, wie du auf andere zugehst. Der Markt ist groß genug und es gibt für jede Nische und für jedes Foto Business den passenden Deckel. 

Die Soloselbstständigkeit kann manchmal ganz schön einsam sein und in manchen Situationen hilft es sich mit anderen Selbstständigen auszutauschen, Erfolge zu feiern oder Frust abzulassen. Menschen, die in Anstellung arbeiten können da manchmal nicht ganz so gut mitfühlen oder Frust nachvollziehen.

Sabrina aka Purple Avocado (it's me!)

In diesem Sinne danke an alle, die an diesem Beitrag mitgewirkt haben. Schaut euch auf jeden Fall die genialen Fotos und den tollen Content, den jeder einzelne von ihnen erstellt und lasst ein paar liebe Worte da 🙂 

Es liegt nicht an deinen Fotos!

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Darauf kommt es wirklich an, wenn du dir ein Food Fotografie Business aufbauen willst

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