Adventures in Iran 2 – Schiras

Unmengen von Wassermelonen an einem Stand am Straßenrand

Im zweiten Teil meiner Abenteuer in Iran nehme ich euch mit in den Süden. Willkommen in der wunderschönen Wüstenstadt Schiras. Hier, in der alten Hauptstadt des Irans erwarten uns wunderschöne Gärten, das berühmte Grab des Dichters Hafis, Basare und atemberaubende Architektur.

Selfie Time im Iran mit Kopftuch

Adventures in Iran

Kapitel 0 – Traditionelles Essen aus dem Iran
Kapitel 1 – Ankommen in Teheran

Da der 12 tägige Workshop zwischen der Art University Tehran und der FH Dortmund in Teheran stattfinden würde entschied ich mich dafür das Land auf eigene Faust zu erkunden. 9 Tage reiste ich also früher an, der Flug nach Schiras (für knapp 50€) war bereits in Deutschland gebucht.

Am Flughafen von Schiras wurde ich von einem jungen, gastfreundlichen Iraner abgeholt. Sein Name war Mohsen, er sprach perfekt Englisch und wir kamen sofort bestens miteinander aus. Wie schon Neda brachte er mir nichts als Herzlichkeit und Interesse entgegen. Auf unserer Fahrt durch den sehr chaotischen Stadtverkehr von Schiras (die Farbe für die Fahrbahnmarkierungen hätte man sich echt sparen können) sang er sehr dramatisch und inbrünstig die kitschigen und zutiefst traurigen iranischen Klassiker im Radio mit. Immerhin mit mehr Talent als wenn mein Vater beim Kochen in der Küche seine Liedchen schmettert ;).

Eine ganz normale Verkehrssituation im Iran (Schiras)

 

Ladungssicherung Level Iran
Ladungssicherung Level Iran – Check

Wie ich meinen Schiras ‚Guide‘ Mohsen kennenlernte

Die Geschichte, wie ich auf Mohsen kam ist eigentlich ganz schnell erklärt und überhaupt nicht kompliziert oder verworren.

Auf der Suche nach möglichen Schlafplätzen fragte ich meine Travelblogger Freundin Jenny (von Discovering Legacies – wir haben den Restaurant Guide Hamburg zusammen erstellt) ob sie eventuell Leute aus dem Iran kenne. Und natürlich tat sie das! Eine alte Schulfreundin, Isabella, kommt ursprünglich aus Deutschland und lebt und arbeitet derzeit in Teheran.
Isabella bot mir sofort einen Schlafplatz für meine Zeit in Teheran an, half mir aber auch bei der Suche nach einem Gastgeber für Schiras.
Isabellas Freund nämlich, ein unfassbar lieber und sympathischer junger Mann aus Syrien hat in Schiras studiert und kontaktierte eine ehemalige Kommilitonin, Sara ob sie einen Gast aus Deutschland für ein paar Tage aufnehmen würde.
So weit der Stand der Dinge, bis ich in Teheran ankam.

Ihr müsst nämlich wissen, dass die Iraner recht spontan sind und Dinge sich schnell mal ändern können. An meinem ersten Abend in Teheran bekam ich also eine Nachricht von Isabella, dass Sara spontan für ein paar Tage nach Teheran kommt und mich leider nicht aufnehmen könne.
Stattdessen hat sie jedoch direkt nach gutem Ersatz gesucht und ihren Schwager, und da ist er nun endlich, Mohsen gebeten die Tage mit mir zu verbringen. Da Mohsen, wie viele, viele junge IranerInnen noch bei seinen Eltern lebt hat Sara uns die Wohnung von sich und ihrem Mann in der Zeit zur Verfügung gestellt.

Frühstück im Iran mit Spiegelei, Datteln und Brot

Die Iranische Gastfreundschaft

Wie oben bereits erwähnt ist diese Verkettung von Ereignissen ganz normal und leicht nachvollziehbar. Gar nicht kompliziert oder merkwürdig. Einen völlig fremden Menschen bei sich aufnehmen – den Freund eines Freundes, einer Bekanntschaft – ohne groß Fragen zu stellen und ohne die geringste Gegenleistung zu erwarten. Reine Gastfreundschaft. Fragt mal wahllos einen Deutschen danach – er oder sie würde mit Sicherheit das gleiche tun – nicht.

Ich habe mich bisher immer für eine recht gute Gastgeberin gehalten. Ich liebe es Gäste zu empfangen und ihnen eine schöne Zeit zu bereiten. Ich helfe gerne und viel. Doch die persische Kultur hat mich in dieser Hinsicht vieles Neues gelehrt und ich bin umso motivierter Gäste in meinem Land noch herzlicher zu empfangen und ihnen Hilfe anzubieten.

Mohsen und seine Schwägerin haben mir nicht einfach nur einen Schlafplatz bereitgestellt. Nein, da Mohsen die Woche frei hatte haben wir meine Tage in Schiras gemeinsam verbracht und ich hatte den besten Tour Guide, den ich mir nur hätte wünschen können.

Die schönsten Orte in Schiras

Neben einem regen Austausch über die deutsche und iranische Kultur haben wir natürlich auch die schöne Wüstenstadt Schiras erkundet.

Eram Garden

Leider war mein erster Tag in Schiras meist ziemlich bewölkt und so könnte der wunderschöne ‚Paradiesgarten‘ fast ein bisschen trist rüberkommen. Aber vertraut mir, Eram Garden ist der perfekte Ort für einen Spaziergang und insbesondere Pflanzenliebhaber werden hier ihre Freude haben.

Blumen im Paradiesgarten, Eram Garden, Schiras

Kadscharen Palast in Eram Garden, Schiras
Kadscharen Palast

Wunderschöne Mosaik-Wand in der Nähe von Eram Garden, Schiras

Blumen im Paradiesgarten, Eram Garden, Schiras

Wasserfontäne vor dem Kadscharen Palast in Eram Garden, Schiras

Kadscharen Palast Eram Garden, Schiras

Eram Garden, Schiras

Blumen im Paradiesgarten, Eram Garden, Schiras

Blumen im Paradiesgarten, Eram Garden, Schiras

Eram Garden, Schiras

Grab des Hafis

Hafis war ein in Schiras geborener Dichter und ist eine wichtige Figur der Iranischen Geschichte – entsprechend solltet ihr die prachtvolle Gedenkstätte Hafis‘ nicht auslassen, wenn ihr euch mal nach Schiras verirren solltet.

Prachtvolles Dach des Hafis Memorials in Schiras.

Innenhof mit Pool am Grabmal des Hafis, Schiras

Grabstätte von Hafis in Schiras, Iran

Vakil Basar

Der Vakil Basar in Schiras war einer meiner absoluten Lieblingsorte. Während der große Basar in Teheran mich teilweise sehr gestresst und überfordert hat, hatte man auf dem Vakil Basar etwas mehr Ruhe. Der Basar ist groß, aber nicht riesig und hatte alles zu bieten, was ein ein eifriger Foodblogger und Tourist sich nur wünschen konnte. Von Teppichen über Kupferwaren, Gewürze, Nüsse, bis hin zu Schmuck, Stoffen und Kleidung gab es alles.

Besonders haben es mir die verschiedenen Schüsseln, Teller und Kannen aus Kupfer angetan und ich habe versucht so viel wie möglich mit nach Hause zu bringen 😀 Schaut mal eine Auswahl des wunderschönen Geschirrs in meiner Food-Strecke über den Iran an 🙂

Eingang zum Vakil Basar

Persische Teppich auf dem Vakil Basar in Schiras

Iranische Kupferkellen auf dem Vakil Basar in Schiras

Kupferwaren auf dem Vakil Basar in Schiras, Iran

Iranische Gewürze und Gewürzmischungen auf dem Vakil Basar in Schiras

 Vakil Basar in Schiras

 Vakil Basar in Schiras

 Getrocknete Blüten und Kräuter auf dem Vakil Basar in Schiras

 Vakil Basar in Schiras

Kupfertöpfe, Vakil Basar in Schiras

 Vakil Basar in Schiras

Obst und Gemüsestand in der Nähe des Vakil Basar in Schiras

Obst und Gemüsestand in Schiras

 

Selfie-Time in Iran-optimierter Kleidung samt Kopftuch

Galath

Nach ein paar Tagen in den lauten und geschäftigen Städten des Irans brauchte ich allmählich mal eine Pause von all dem Lärm und der Reizüberflutung. Mohsen konnte das nur allzu gut nachvollziehen und so fuhren wir gemeinsam nach Galath, ein kleines Dorf nördlich von Schiras. Dort konnten wir ein wenig wandern (spazieren) und die Natur genießen. Ich probierte dort zum ersten Mal Doogh, ein saures Joghurt Getränk, dem Ayran recht ähnlich und saß auch zum ersten Mal in einem Kaffeehaus.

Galath, Iran

Galath, Iran

Galath, Iran

Galath, Iran

Galath, Iran

Galath, Iran

Wasserfall in Galat

Berge in Galath, Fars, Iran

Ausblick auf Wald und Berge in Galath, Iran

ein traditionelles Kaffehaus im Iran

Das beste Essen in Schiras

Was wäre ich für ein Foodblogger, wenn ich Mohsen nicht nach den besten Restaurants in Schiras gefragt hätte. Und Mohsen konnte liefern. So richtig.

Wenn ihr nach Schiras fahren solltet gibt es zwei Restaurants, die ihr euch auf keinen Fall entgehen lassen solltet – des Essens und der Atmosphäre wegen.

Shapouri Mansion / Shapouri House

Dieses Restaurant fühlt sich genauso majestätisch an, wie es klingt. Wenn ihr auf dem Balkon speisen möchtet, wäre es von Vorteil vorher zu reservieren (oder ihr seid ein süßes German Girl und habt einen Iranischen Freund, der darauf besteht, dass ihr auf dem Balkon essen möget). Das Essen war einfach aber köstlich. Ich hatte in Joghurt marinierten Rinderkebab, gebratenes Gemüse, Reis und einen Salat Shirazi (sauer angemachter Salat mit Gurke und Tomate).

Shahpouri Mansion in Schiras

Shahpouri Mansion in Shiraz, Iran, Blick vom Balkon

Kebab in der Shahpouri Mansion in Schiras, Iran

Haft Khan Restaurant

Ich kann mir kaum einen Ort vorstellen, der traditioneller und schicker ist als das Haft Khan Restaurant in Schiras. Dieser Restaurant Komplex erstreckt sich über mehrere Etagen und auf jeder befindet sich ein Restaurant mit anderem Schwerpunkt. Ihr könnt wählen zwischen BBQ, Fast Food, Buffet und dem traditionellem Restaurant im Kellergeschoss. Ihr könnt vermutlich schon ahnen, dass ich mich für letzteres entschieden hab.

Das Essen war hervorragend. Ich hatte Fesenjan, ein persisches Gericht mit Hühnchen, Walnüssen und einer süß-sauren Granatapfel sauce. Für Mohsen gab es Lamm und ich habe den Namen der Speise vergessen :D. Nicht nur das Essen war super, auch die Atmosphäre hat mich komplett ins alte Persien eintauchen lassen. Weißes, modern-kitschiges Interieur, große Sofa-Betten und traditionelle Live-Musik – es war schon wirklich sehr kitschig aber auch ein perfekter Abschluss in Schiras.

Interieur des Haft Khan Restaurants in Schiras. Traditionelles Restaurant im Iran

Vorspeisen bestehend aus Brot, Kräutern und Käse im Haft Khan, Schiras

Hauptspeisen im Haft Khan, Schiras

Sozialleben im Iran

Neben all dem Sightseeing und Essen besuchten wir unter anderem auch die Eltern von Mohsen. Während meiner Zeit in Schiras wurde Mohsen mehr als ein Mal von seinen Eltern angerufen, die sich danach erkundigen wollten, ob es mir denn auch gut gehe und ob er sich gut um seinen Gast kümmere. Ich kann mir nichtmal im Ansatz vorstellen, wie meine Eltern mich anrufen, wenn ich Gäste bei mir aufnehme 😀 haha!

Also statteten wir nach unserer kleinen Wandertour in Galath Herrn und Frau Mohsen (ich kenne die Nachnamen nicht ^^)  einen Besuch ab.

Die Kommunikation lief hauptsächlich über Mohsen, der alles übersetzte. Grundsätzlich habe und würde ich noch lernen, dass man sich auch ohne große Worte viel sagen kann. Wir tranken Tee, aßen frische Datteln und ich lernte, wie man Backgammon spielt – und war furchtbar darin 😀

Backgammon Spiel

Den zweiten Abend in Schiras habe ich ein paar Freunde von Mohsen kennengelernt.

Da es im Iran keine (ofiziellen) Discos und Parties gibt und Alkohol im ganzen Land verboten ist, könnte bei den jungen, wilden Europäern die Frage aufkommen, was man denn verdammt nochmal Abends am Wochenende im Iran so macht. Die jungen Iraner, die ich kennengelernt habe treffen sich meist bei Freunden zu Hause, im Privaten, wo man mehr Freiheiten hat und auch den Hijab ablegen kann.

Für unsere Gäste haben wir noch schnell frisches Obst gekauft (im Iran bietet man seinen Gästen IMMER etwas  zu Essen an). Diesen Abend trank ich auch das erste Mal selbstgemachten (ziemlich leckeren) Rotwein. Ansonsten bestand der Abend aus interessanten, tiefschürfenden Gesprächen (meine Begegnung mit Iranern die perfekt Englisch sprechen und jenen die kein Wort verstehen wechselte sich ziemlich gleichmäßig ab) und ich fühlte mich so richtig wohl inmitten dieser modernen, jungen Menschen, die genau wie ich das Reisen liebten. Es fühlte sich jedoch jedes Mal etwas komisch an, wenn ich von den Ländern berichtete, die ich alle schon bereist hatte. Mit einem iranischen Pass ist es nämlich ziemlich schwierig ein Visum für die europäischen Länder zu bekommen. Dennoch traf ich während meiner 3-wöchigen Reise unzählige Iraner, die mir von ihrer Liebe zu Deutschland erzählen und mich teilweise sogar auf Deutsch ansprachen. Die Iraner lieben Europa und insbesondere Deutschland wirklich sehr. Sehr sehr.

Schon wieder Lebewohl

Ich muss gestehen, dass mir dieser Abschied von allen am Schwersten gefallen ist. Die Zeit in Schiras und mit Mohsen war einfach wundervoll und ich hätte gut und gerne noch ein paar weitere Tage dort verbracht. Sobald ich es mir aber im Luxusbus nach Isfahan (für umgerechnet knapp 5€) gemütlich gemacht hatte und die steinige Wüste und Berge an mir vorbeizogen war ich schon ganz gespannt auf den nächsten Abschnitt meiner Reise und die Menschen, die ich dabei kennen lernen würde.
Macht euch bereit für Teil 3 meiner Abenteuer im Iran.

Mein Sitzplatz im Luxusbux von Schiras nach Isfahan

Wüste im Iran

 

6 Antworten

    1. Hallo Lemoni,
      freut mich, dass dir der Bericht gefällt 🙂
      Als Veganer hat man es im Iran wirklich sehr schwer. Schon als Vegetarier ist man in vielen Restaurants auf Reis und Gemüse beschränkt. Wenn man aber selber kocht, dann findet man in den sehr günstigen Obst- und Gemüseläden mit Sicherheit genug um nicht zu verhungern (und die Nüsse schmecken im Iran um ein Vielfaches besser als hier)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.