Die Bildanalyse – Wie haben die das gemacht?

Tomate und veganer Mozzarella auf einem goldenen Teller in einem rustikalen, erdigen Setup. Anhand dieses Fotos machen wir eine exemplarische Bildanalyse

Die Fähigkeit Fotos zu analysieren – seien es die eigenen oder jene Bilder die uns inspirieren und animieren – ist eine gute Grundlage um zu verstehen wie und wieso Bilder ‘funktionieren’. Warum manche Bilder uns mehr ansprechen als andere und woran genau das liegt.

Wenn man nicht nur sagen kann, DASS ein Bild gut ist, sondern auch WARUM und wie der Fotograf dies erreicht hat, kann man dieses Wissen auch für seine eigenen Arbeiten nutzen.

Wer die Grundregeln von Komposition verstanden hat und sie in anderen Bildern erkennt kann diese selber anwenden oder auch bewusst brechen.

Was macht ein ‚gutes‘ Food-Foto aus?

Was gut und schlecht ist liegt letzten Endes natürlich immer im Auge des Betrachters und ist keine objektive Beurteilung. Dennoch gibt es gewisse Fotos, die auffällig vielen gut gefallen. Oder es gibt bestimmte Fotografen, die dich mit allem, was sie produzieren umhauen und die einen ganz eigenen, überall wiedererkennbaren Stil haben. In diesem Fall lohnt sich immer ein genauerer Blick. Wieso stechen diese Fotos so aus der Masse hervor?

Hier haben die Fotografen häufig ähnliche Dinge ‘richtig’ gemacht. Es gibt einfach künstlerische Grundlagen, sei das Komposition, Styling oder ein guter Einsatz von Licht, die dazu führen, dass ein Bild ‘gut’ ist. Technik ist selbstverständlich nicht alles – aber mit einer guten technischen und gestalterischen Grundlage ist es sehr viel einfacher seine kreativen Ideen entsprechend umzusetzen.

Genau diese Grundlagen möchten wir uns aneignen und das geht am besten durch Zuschauen und Nachmachen.

Die Bildanalyse

Wenn ich mich also daran mache ein Foto, wie diese rustikale Aufnahme mit Tomaten und (veganem) Mozzarella genauer zu untersuchen, konzentriere ich mich meist auf drei Bereiche:

LICHT, KOMPOSITION & STYLING

Licht

Schauen wir uns zuerst das Licht an.

Auch ohne das Wissen, ob wir es mit natürlichem oder künstlichem Licht zu tun haben, können wir ein paar wohlbegründete Vermutungen aufstellen indem wir die Qualität des Lichts, die Richtung aus der es kommt und die daraus entstehenden Schatten genauer betrachten.

Foodfoto mit bunten Markierungen die Lichter und Schatten genauer beschreiben und hervorheben

Für diese Aufnahme wurde ein Gegenlicht aus der rechten Ecke genutzt und dieses Gegenlicht sorgt für wunderschön weiche Schatten. Die Szene wurde vermutlich nicht mit einem Reflektor aufgehellt, da der vordere Bereich vor dem Teller sehr dunkel ist. Diese Beobachtungen lassen darauf schließen, dass entweder eine relativ große Softbox verwendet wurde oder mit natürlichem Licht an einem bewölkten Tag gearbeitet wurde und womöglich ein Diffusor / Vorhang verwendet wurde.
Das Gegenlicht hat noch einen anderen tollen Nutzen. Es sorgt nicht nur für eine diffuse, stimmungsvolle Atmosphäre, es ist auch verantwortlich für die schönen Lichtreflexe, die die glänzende Konsistenz des Öls auf dem Mozzarella so schön hervorheben. Es durchleuchtet außerdem die Kräuter und lässt diese frisch und leuchtend erscheinen. Und sind dir die hellen Lichtpunkte im Hintergrund auf den Knoblauchzehen und dem Besteck aufgefallen?
Hach, Licht ist schon eine wundervolle Sache.

Komposition

Kompositorische Entscheidungen sind dafür gedacht den Blick des Betrachters bewusst durch das Bild zu den wichtigen Inhalten zu leiten. Dies kann und wird in diesem Bild auf vielerlei Weisen erreicht →

Bildausschnitt & Platzierung

Bildanalyse mit Farbflächen und Pfeilen visualisiert

Die Szene ist sehr eng geschnitten, das Hauptmotiv, der Teller mit Tomate & Mozzarella ist dezentral und rechts angeschnitten, aber dennoch prominent platziert und nimmt ca. 40% des gesamten Bildes ein. Die Mozzarellascheiben wurden so platziert, dass sie einen Kreis bilden. Der Blick wird dadurch nicht wieder in eine andere Richtung gelenkt, sondern ruht weiter auf dem Teller.

Schärfe & Unschärfe

Das Auge sucht unbewusst immer nach den kontrastreichsten (= schärfsten) Bereichen. Der Schärfepunkt bzw. die Schärfeebene befindet sich auf dem ersten Stück Mozzarella und nimmt davor und dahinter rasch an Schärfe ab. Das Auge kehrt immer wieder zu diesem Bereich zurück.

Perspektive

Das Bild wurde mit einer 35mm Brennweite aus einem Winkel von ca. 45 Grad aufgenommen. Durch den Winkel (und eine sehr offene Blende) erreichen wir eine selektive Schärfe und wunderschöne Unschärfen (im Gegensatz zu einem Foto aus der Vogelperspektive). Die relativ kurze Brennweite und Nähe zum Motiv sorgt dafür, dass nahe Objekte sehr groß und ferne Objekte sehr klein wirken. Der Teller im Vordergrund wirkt dadurch noch größer und prominenter.

Kompositionslinien & Formen

Kompositionslinien und Formen in der Food Fotografie anhand eines Beispielfotos mit Tomate und Mozzarella

Verlängert man die Linien des Bestecks links und rechts im Bild, so kreuzen diese sich diagonal und bilden eine Art Dach. Zusammen mit der Schüssel Oliven wird der Teller quasi eingerahmt. Der dunkle Bereich im unteren Bildrand fördert dies zusätzlich.

Negativraum

Die leeren Flächen am unteren sowie oberen Bildrand bringen ruhe in das Bild und wollen dem Betrachter sagen:
Hier gibt es nichts zu sehen! Konzentrier dich gefälligst wieder auf das bunte Treiben in der Bildmitte.

Food-Styling

Props

Die Props wurden sparsam eingesetzt und dienen dazu den Fokus auf das Essen im Vordergrund zu lenken und zu der rustikalen Stimmung beizutragen. Ein zerknittertes, graues Tuch, altes Besteck, ein matter, ungewöhnlich geformter Goldteller. Der Untergrund ist patiniert, derbe und rostig und gibt dem Bild mehr Textur, ohne sich in den Vordergrund zu spielen.

Ebenen & Texturen

Bildanalyse - Ein Foodfoto mit vielen Ebenen und unterschiedlichen Texturen ist interessanter

Ebenen & Texturen

  1. Untergrund
  2. gefaltetes Küchentuch
  3. Teller
  4. Tomatenscheiben
  5. Mozzarella
  6. Kräuter
  7. Zwiebelringe
  8. Olivenöl
  9. Pfeffer

Auch ein schlichtes, minimalistisches Foodfoto bekommt erst so richtig Leben eingehaucht, wenn es interessant gestylt und komponiert ist. Dieses Foto zum Beispiel ist sehr vielschichtig aufgebaut, der Untergrund, ein Tuch, ein Teller – dann erst kommt das Essen, welches auch mit ganz vielen unterschiedlichen Ebenen und Texturen gestylt wurde. Der blanke Mozzarella hätte im Gegenlicht wenig hergemacht, mit dem grob gemahlenen Pfeffer und im Licht glänzenden Olivenöl und gerupften Kräutern wird er zum Eye-Catcher.

Food & Farben

Dass Essen steht bei diesem Fotos, wie es sein sollte, im Fokus. Die Tomaten- und Mozzarellascheiben wurden sorgfälltig angerichtet und mit Kräutern, dünnen Zwiebelstreifen, Öl und Pfeffer gestylt um möglichst appetitanregend auszusehen. Die auffälligsten Farben im Bild sind das Rot der Tomaten und das Grün der Kräuter. Komplementärfarben also, die sich gegenseitig verstärken und strahlen lassen. Der Rest des Bildes ist in dezenten, warmen Erdtönen gehalten.

Was lernen wir daraus?

Wenn du bessere Foodfotos machen möchtest, dann fange damit an die Bilder, die du liebst zu analysieren. Das kann von deinen LieblingsInstagram-Accounts sein, aus Kochbüchern oder von Pinterest.
Sobald du es schaffst zu sagen WARUM ein Foto gut ist und nicht nur, DASS es gut ist, wirst du dieses Wissen auch für deine eigenen Fotos anwenden können.
Schrecke nicht davor zurück etwas zu ‚kopieren‘ um Neues zu lernen und deinen eigenen Stil zu entwickeln. Studiere Fotos genau auf ihre Komposition, das Foodstyling und Licht um selber besser zu werden und damit zu wachsen.

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